Ein schicksalshafter Bund – Teil 2

Ferdinand packte Hugos Hand und griff zugleich nach seinem Messer. Es war nicht da. Natürlich. Er trug nicht seine eigene Kleidung. Gedanken schossen durch Ferdinands Kopf, wurden jedoch sogleich von der Erkenntnis unterbrochen, dass er Hugos Hand immer fester und fester hielt. Schnell ließ er los. „Ich bin Ferdinand“, rief er. Erstmals klang seine Stimme verunsichert. „Ich bin Herzog des Königreichs von Audacia.“

Hugo starrte Ferdinand an.
„Ah, ich kenne Euer Königreich“, sagte Hugo. „Vor langer Zeit bekämpften wir uns.“
„Na, so schnell kommt das wohl nicht wieder vor“, murmelte Ferdinand.
„Warum sagt Ihr das?“ fragte Hugo.
Ferdinand biss sich auf die Zunge. Dieser Mann wurde ihm zu vertraut. Es ist leichter, einen Fremden zu töten.

Ferdinand beschloss, dass es Zeit war zu gehen. Langsam stand er auf und schaute sich um. An der Wand hing eine Sammlung von Messern. Den Blick auf Hugo fixiert, bewegte sich Ferdinand langsam auf sie zu. „Wisst Ihr, mein König ist sehr alt. Sein Geist hat an Schärfe verloren.“ Beiläufig griff er nach einem der Messer.

„Genau wie dieses Stück hier. Mit so einer stumpfen Klinge könnte ich nicht mal eine Katze besiegen, geschweige denn einen echten Gegner.“ Er warf das Messer in die Luft und fing es geschickt mit seiner anderen Hand wieder auf. Dann nahm er ein anderes, sehr viel schärferes Messer von der Wand und bewegte sich in Richtung Tisch. „Wenn unsere Nachbarn von der Schwäche meines Königs hören, werden sie uns sicher einen Besuch abstatten. Und sicher nicht, um friedlich zu diskutieren.“ Ferdinand stieß beide Messer in die Tischplatte. Die stumpfe Klinge fiel um. Die andere blieb stecken.

Hugo stand auf und verließ den Raum. Ferdinand seufzte. Es musste kein Blut vergossen werden. Er packte seine Sachen. Bevor er gehen konnte, kam Hugo zurück. Er brachte Bier, Brot und eine Schale Äpfel mit. Hugo setzte sich hin und zog Ferdinands Messer aus seiner Tasche. Er schaute Ferdinand an und begann, die Äpfel in Stücke zu schneiden. „Es gehört mehr dazu, König zu sein, als nur Schlachten zu gewinnen“, sagte Hugo. „Trotz Eurer Wut auf Euren König, scheint Ihr doch unbedingt in sein Reich zurückkehren zu wollen. Bleibt über Nacht. Ihr könnt morgen früh aufbrechen.“

Ferdinand fühlte sich klein. Er setzte sich und ließ die Schultern hängen. „Danke“, raunte er. Und so aßen, tranken und redeten die beiden Männer. Kurze Zeit später war der Raum erfüllt von politischen Diskussionen, Flüchen und Gelächter. Am nächsten Morgen verabschiedete sich Ferdinand. Er griff in seine Tasche und holte einen alten Ring mit einem kleinen blauen Diamanten hervor. „Ich danke Euch, Hugo. Ich trage nichts von echtem Wert bei mir. Werdet Ihr dies als Zeichen meiner Dankbarkeit annehmen?“

Hugo nickte. Ferdinand gab ihm den Ring und die beiden gaben sich erneut die Hand. Der junge Herzog drehte sich um und lief in Richtung Heimat.

„Hey, Ferdinand!”, rief Hugo. „Wenn wir beide König sind, sollten wir uns verbünden!”

„Vielleicht!”, antwortete Ferdinand und verschwand zwischen den Bäumen.

Fortsetzung folgt …

Please follow and like us: