Ein schicksalshafter Bund – Teil 4

Hugos Hände begannen zu zittern. „Wer hat uns angegriffen?“

„Das Königreich von Pravus“, erwiderte der Bote. Zögernd fügte er hinzu: „Und ihr König Nequior hat befohlen, Euch zu ihm zu bringen, um mit Euch zu sprechen.“
 „Sattelt mein Pferd“, befahl Hugo.
Bereits kurz darauf war Hugo auf dem Weg ins Königreich von Pravus. In der Ferne konnte er Rauch erkennen, der über einigen seiner Dörfer aufstieg. Er spornte sein Pferd an. Nun zählte jede Minute. 

Die Sonne stand noch hoch am Himmel, als Hugo den Palast von Nequior erreichte. Der Palast war komplett aus Stein, ohne eine einzige Verzierung. Hugo fröstelte, als er ihn sah. Bevor er sich weiter umsehen konnte, wurde er hineingestoßen. Es dauerte einen Moment, bis sich Hugos Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten und er einen großen, schlanken Mann in voller Rüstung und einem roten Mantel auf dem Thron sitzen sah. Der Mann lächelte hinterhältig. „Du weißt, warum ich dich herbeordert habe, oder?“, fragte er. Seine Stimme schallte durch die leere Halle. Hatte Hugo bisher nur gefröstelt, so war ihm jetzt eiskalt.

Bevor er auch überhaupt zu einer Antwort ansetzen konnte, fuhr der Mann fort: „Das war eine rhetorische Frage. Ich habe es dir schon einmal gesagt. Wir müssen nicht kämpfen. Teile einfach einige deiner Rohstoffe mit uns und es wird Frieden herrschen. Deshalb kannst du dir wohl vorstellen, wie überrascht ich war, dass am Monatsende keine Händler von Hugo vor meiner Tür warteten, die mir das geben, was mir zusteht. Willst du keinen Frieden? Hör genau zu, Hugo. Weise die Zahlungen an oder ich werde statt der freundlichen Überfallkommandos von heute als nächstes Katapulte schicken. Verschwinde!“

Hugo wurde genauso feierlich aus der Halle gezerrt, wie man ihn hineingeschubst hatte. Dann setzte man ihn auf sein Pferd. Und er ritt davon. Hugo musste die Tränen zurückhalten. Das war es dann wohl. Nequior verlangte so viel, dass sein eigenes Königreich niemals genug für eine ordentliche Verteidigung haben würde. Und während die anderen Königreiche florierten, würde er im Dreck wühlen. So musste sich Ferdinand gefühlt haben. Allerdings war es für Hugo nicht nur eine Möglichkeit, sondern die Realität.

Er ritt erneut an seinen Dörfern vorbei. Der Rauch hatte sich verzogen. Zumindest waren seine Leute bereits mit dem Wiederaufbau beschäftigt. Er selbst war sich nicht sicher, ob er das ebenfalls konnte. Als Hugo endlich wieder zu Hause eintraf, wurde es bereits dunkel. Am Tor war eine fremde Armee stationiert. Das sollte also das Ende sein? Nequior hatte wohl beschlossen, sein Königreich zu belagern. Ein Messer in die Brust und gleich noch eins in den Rücken. Er ritt in sein Dorf hinein, vermutlich das letzte Mal als König.

Doch als er sich näherte, hörte er die Truppen singen. Einige der Stimmen gehörten seinen eigenen Leuten. Was ging hier vor sich? Er ritt an die Spitze der Menge, die sich mitten in seinem Dorf versammelt hatte. Dort sah er ein großes Feuer und ein feierliches Bankett. Und Ferdinand.
„Hugo!“, rief er. „Du bist spät dran! Meine Leute haben bereits mit dem Fest begonnen, tut mir leid. Ich habe deinen Brief bekommen und gehört, was in deinem Königreich passiert ist. Betrachte diese Armee als meine erste Handlung als Verbündete.“

Er streckte die Hand aus. Hugo schüttelte sie mit tränenüberströmtem Gesicht. Ferdinand lehnte sich vor und sah Hugo an. „Gemeinsam, mein Freund, werden wir Großartiges vollbringen.“

Ende

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